Venedig Tag 3

Samstag, 14.09.2019

Ich stehe um 06.30 Uhr auf, dusche mich und starte mit meinem Strandspaziergang. Auf dem Meer sehe ich eines der riesigen Kreuzfahrtschiffe, die Venedig anlaufen. Sie fahren durch den Porto di Lido, umrunden quasi die Insel, um dann durch den Canale di S. Marco (also am Markusplatz vorbei) und den Canale della Giudecca zu den Kreuzfahrtterminals zu gelangen. Von der Mole der Hafeneinfahrt aus kann ich später das riesige Schiff hinter dem Lido de Venezia deutlich erkennen. Der Anblick ist grotesk. Es sieht aus, es wären dort plötzlich Hochhäuser mit riesigen Schornsteinen gewachsen.

Kurz bevor ich den Strand verlasse, spricht mich ein junger Farbiger auf Englisch an. Ich hatte ihn schon gestern Morgen am Strand gesehen und seinen Gruß "überhört". Er stellt sich als Sanji vor und möchte sich sehr, sehr gerne mit mir unterhalten. Ich kann natürlich nur spekulieren, aber ich schätze, er war auf der Suche nach Chancen, und die hat er in einer Frau im "dankbaren" Alter und immer allein am Strand, wohl gesehen. An meinem Akzent erkennt er mich schnell als Deutsche. Dass ich auch noch aus Berlin komme, scheint ein Zusatzbonus zu sein. Ich möchte nicht unhöflich sein und verabschiede mich mit dem Hinweis, dass mein Freund auf mich wartet. Ich hoffe, ich muss ihn jetzt nicht jeden Morgen abschütteln. Am Strand allein vor mich hin trödeln zu können ist hier neben den vielen Bootsfahrten mein größtes Vergnügen. Das möchte ich nicht aufgeben.

Nach dem Frühstück starten wir in Richtung Isola di San Giorgio Maggiore. Auf dieser kleinen Insel gegenüber San Marco mit Klosteranlage, Kirche und Jachthafen waren wir bisher noch nicht. Der empfohlene Ausblick vom Campanile (Glockenturm) bleibt uns verwehrt, der Fahrstuhl wird repariert, es wird wohl länger dauern. Aber die Klosteranlage mit Kirche ist sehr schön und beherbergt eine Ausstellung zur Biennale sowie in den Gärten Installationen zur Venice Glass Week. Außerdem ist der kleine Leuchtturm auf der Ecke ein beliebter Fotohintergrund bei Brautpaaren, wie wir schnell feststellen.
Blick auf San Marco
Der Glockenturm ist zurzeit leider geschlossen
Kunstwerk der Biennale in der Kirche
Hinter der Kirche ist die Kunst aus Glas
Mit dem Vaporetto fahren wir später drei Stationen weiter nach Giudecca. Auch hier waren wir noch nicht. Wir erkunden diesen Teil von Venedig, auf dem es viele Werften und Bootshallen gibt. Die Biennale hat auch hier Ausstellungen und Installationen, die wir uns anschauen. Wir finden auch eine große Bootshalle, die auf 4 bis 5 Etagen quasi im Hochregallager Boote einlagert. Zu Mittag gibt es Pizza bei dem Stehimbiss "La Foca" mit Blick auf den Zattere. Schöner Ausblick, die Pizza ist leider nur so lala.
Halle mit unzähligen Booten die per Gabelstapler eingelagert werden
Später fahren wir mit dem Vaporetto zum Bahnhof und ich gönne mir bei der berühmten italienischen Eisdiele Grom einen sehr leckeren Shake. Jetzt geht es weiter zu Fuß quer durch Venedig zum Markusplatz. Steffen "findet" unterwegs die Eisdiele "La Boutique Del Gelato" wieder, die das Schoko-Mousse-Eis anbietet, das er im letzten Jahr so lecker fand. Ich stöbere in der Zwischenzeit im kleine Laden von Scriba, die sehr schöne Papierarbeiten und Siegelwachsstangen anbieten.
Die frisch renovierte Rialtobrücke
Auf dem Markusplatz beobachten wir die zum Teil sehr elegant gekleideten Besucher. Wir lauschen der Livemusik der Cafés, verzichten aber deren überteuertes Angebot, obwohl die auf großen Servierplatten servierten Aperitifs und Snacks schon sehr appetitlich aussehen. Vom Markusplatz aus sehen wir den Sonnenuntergang und beim Rückweg zum Hotel natürlich auch ein voll beleuchtetes Kreuzfahrtschiff, das die Hafenausfahrt ansteuert.
Das Kreuzfahrtschiff vor dem Markusplatz
Vom Anleger laufen wir zu unserem Hotel, der Vollmond bescheint uns und auf dem Meer ist noch das Schiff in der Ferne zu sehen. Alle Bars an der Straße zum Strand sind voller Menschen. Das bevorzugte Getränk bei allen ist der Sprizz Veneziano.